Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


broken_crown:haeuser:makrabar:leg_feuer_tama

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

broken_crown:haeuser:makrabar:leg_feuer_tama [2016/12/21 11:19] (aktuell)
weisser_rabe angelegt
Zeile 1: Zeile 1:
 +====== Tama und der Fuchs ======
 +
 +//
 +Eine Legende aus der Feuerprovinz über den Tama-Clan, eine alte Vasallenfamilie der Tenkos.
 +// \\
 +\\
 +Damals, als das Land, dass heute als Feuerprovinz bekannt ist, noch wild und mystisch war, da lebte einst ein Bauer mit seiner Familie unweit eines alten, geheimnisvollen Waldes. Er war gütig und bescheiden, voller Demut vor dem Land und seinen Geistern. Regelmäßig opferte er den Kami, den Schicksalen und den Hengeyokai und war ansonsten zufrieden damit, seine Felder zu bestellen, solange er mit harter Arbeit seine Familie ernähren konnte.\\
 +Eines Tages geschah es jedoch, dass er in der Furche seines Feldes einen gar seltsamen Ball fand. Golden war er und im Inneren glitzerte das Licht von neun Sternen. Furchtsam blickte der Bauer sich um, ob wohl ein hoher Herr zu sehen sei, der dieses Kleinod verloren habe - doch weit und breit war niemand zu sehen. Er zögerte, zog dann seinen Kittel aus und wickelte die Kugel vorsichtig ein. Dann trug er die Kugel achtsam nach Hause und verbarg sie, fürchtete er doch, dass das Gold seine Frau und seine Kinder zu einer Dummheit verleiten könnte.\\
 +\\
 +Als es Abend wurde, saß der Bauer mit seiner Familie beim Essen, als es an der Tür klopfte. Man öffnete und erblickte eine ältere Frau, die um Einlass bat. Gastfreundlich bat der Bauer sie herein, gab ihr einen Platz an seinem Tische und hieß seiner Frau, der Alten etwas von der Suppe zu bringen. Obgleich seine Frau missmutig drein blickte - das Essen war knapp - tat sie wie geheißen.\\
 +"Ich danke dir, guter Mann" sagte die Frau. "Zu gütig. Doch bitte, sage mir - in wessen Haus bin ich willkommen?"​\\
 +"Ich bin Tama" antwortete der Bauer, "das dort ist meine geliebte Ehefrau und unsere zwei lieben Kinder. Doch sag mir, Mütterchen,​ wer bist du?"\\
 +"Man nennt mich Kyu" sagte da die Frau und lächelte\\
 +Da wunderten sich Tama und seine Frau sehr, denn das war ein sehr ungewöhnlicher Name. Doch sagten sie nichts, denn die Höflichkeit gebot es.\\
 +\\
 +Als es später Nacht geworden war und man sich schlafen legte, da lag Tama wach und dachte nach. Plötzlich hörte er Geräusche im Haus. Gar seltsam war es, ganz so als würden Truhen geöffnet und Möbel verrückt. Leise stand da der Bauer auf und ging in die Stube. Dort sah er das alte Mütterchen,​ dass auf der Suche nach etwas schien - und doch sogleich herum fuhr, als Tama den Raum betrat. Erschrocken war da der Bauer, denn die Augen der Frau leuchteten von Feuer und neun weiße Bänder, Schweifen gleich, tanzten hinter ihr im Dunkeln.\\
 +Fauchend trat die Alte auf ihn zu, doch Tama nahm seinen Mut zusammen und sagte "​Halt!"​ - und das Wesen erstarrte auf der Stelle.\\
 +"Du hast ihn!" sagte Kyu du, wütend und ängstlich zugleich.\\
 +\\
 +"Du meinst den goldenen Ball, mit den Sternen?"​ fragte Tama da, noch immer zitternd.\\
 +"​Ja!"​ fauchte Kyu und ihre Haut begann zu glühen. "​Sicher hast du ihn mir gestohlen! Gib ihn mir zurück!"​\\
 +\\
 +"Ich habe ihn nicht gestohlen"​ sagte Tama da. "Nie in meinem Leben habe ich etwas gestohlen. Habe ich dich nicht in mein Haus gelassen, dir etwas zu Essen und Obdach für die Nacht gegeben, obgleich wir selbst so wenig haben? Wie kannst du nur so undankbar sein und mir als Gast meines Hauses solcherlei vorwerfen?"​\\
 +\\
 +Da stockte Kyu und wurde mit einem Mal ganz ruhig. Das Glühen in den Augen verschwand, wie auch die Hitze. Doch die Schweife blieben und Tama wusste nun, mit was er es zu tun hatte.\\
 +"Du hast Recht. Das tut mir leid. So bitte ich dich, gib mir den Ball zurück"​\\
 +\\
 +Tama nickte bedächtig. "Er hat Macht über dich - und weil ich ihn besitze, habe ich Macht über dich, nicht wahr?" fragte er.\\
 +"Woher weißt du das?" wollte Kyu entrüstet wissen. War der Bauern doch klüger als gedacht.\\
 +"Wenn es nicht so wäre, hättest du mich einfach zerrissen. Du bist ein Fuchs und könntest mich mit deiner Macht zwingen, wäre es anders"​\\
 +\\
 +Da sank die Alte in sich zusammen und wandelte sich in eine junge Frau mit silbernem Haar und neun weißen Schwänzen, hell wie das Mondlicht. Ihre roten Augen blickten den Bauern traurig an. "Du hast es erkannt und nun willst du mich sicher zwingen, dir deine Wünsche zu erfüllen"​ schluchzte sie.\\
 +\\
 +"Aber nein" sagte da Tama, ging zu seinem Versteck und holte den Sternenball.\\
 +"Es ist nicht Recht, einen anderen zu zwingen. Nicht Recht, sich an der Not anderer zu bereichern. Du sollst ihn haben, ohne Preis - doch bitte ich dich, meine Familie zu verschonen, denn sie hat dir nichts getan."​ Und so gab Tama der Kitsune den Sternenball,​ noch ehe diese antworten konnte.\\
 +\\
 +Erstaunt blickte die Neunschwänzige auf ihre Hände, in denen sie nun wieder ihren Sternenball hielt und sah dann zu dem Bauern, diesem armen Mann, der doch so rein und edel war, wie man es in einem Menschen selten fand.\\
 +"Du hast mir einen großen Dienst erwiesen und bist von reinem Herzen. Einen Wunsch will ich dir gewähren, einen Wunsch bei dem der Himmel mein Zeuge sein soll" sprach sie da, voll feierlicher Gerührtheit.\\
 +\\
 +"Was soll ich mir wünschen?"​ fragte Tama da erschrocken. "Wer Geld und Gut nicht mit Arbeit verdient, der wird faul und geizig. Wer zuviel Glück hat, den erschlagen die Neider. Und ich habe mit Frau und Kindern bereits alles, was ich mir wünschen kann. Doch wäre es auch unhöflich, den Wunsch abzuschlagen - so bitte ich dich, lass mich und meine Nachkommen eine Familie sein, die immer dir und deines Gleichen zu Diensten sein kann"​\\
 +Da lächelte die Fuchsdame und sprach "So sei es".\\
 +\\
 +Und so kam es, dass die Tama von da auf immerdar treue Diener der Füchse und ihrer Nachkommen waren.
  
broken_crown/haeuser/makrabar/leg_feuer_tama.txt · Zuletzt geändert: 2016/12/21 11:19 von weisser_rabe