Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


broken_crown:haeuser:makrabar:hausspieler:glaube_pfad_ursprung

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen gezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

broken_crown:haeuser:makrabar:hausspieler:glaube_pfad_ursprung [2017/04/05 16:42] (aktuell)
weisser_rabe angelegt
Zeile 1: Zeile 1:
 +==== Entstehung des Pfades des Qi – IT-Geschichte ====
 +
 +// „Shifu, erzähl mir bitte nochmal die Geschichte des Pfades des Qi.“ „Was möchtest du denn genau hören? Wie sich der Pfad in ganz Makrabar ausgebreitet hat?“ „Nein, ich will die Geschichte vom Anfang hören. Vom Anfang, als alle Pfade noch vereint waren.“ „Achso, die Geschichte meinst du also. Nun gut, dann pass gut auf: Es lebte einst ein Mann namens Wei Wan. Wei Wan war ein einfacher Bauer, aber von großer Weisheit. Die Bewohner seines Dorfes fragten ihn stets um Rat, sowohl in alltäglichen Dingen wie auch in bedeutsameren Fragen. Auf jede Frage wusste er eine Antwort zu geben, welche den Fragesteller zufriedenstellte und das Problem löste. Sein Ruf eilte ihm weit voraus und so kamen schon bald auch Menschen aus anderen Dörfern, die teilweise mehrere Tagesreisen entfernt waren, zu ihm, um seinen Rat einzuholen. Jedes Mal allerdings, als man ihn fragte, woher seine Antworten stammten, lächelte er ein bisschen verschmitzt und…“ „Shifu, was heißt verschmitzt?​“ ​ \\
 +„Du sollst mich doch nicht unterbrechen. Verschmitzt bedeutet so viel wie schelmisch oder spitzbübisch. Aber zurück zur Geschichte. Wei Wan entgegnete in solchen Fällen: „Der Wind hat es mir gesagt.“ Dass an diesen Worten etwas Wahres war, entging den Menschen in sei-nem Dorf keineswegs: Sooft er von der Arbeit ruhte, pflegte er diese Zeit der Muße mit einer Atemübung einzuläuten:​ Es schien, als würde er den Wind in sich aufnehmen und eins mit ihm zu werden. Eines Tages geschah es, dass diese Atemübung überhaupt nicht aufhören würde. Statt, dass er nach einigen Augenblicken wieder aufhörte und sich seinen Reisbällchen widmete, die ihm seine älteste Tochter liebevoll eingepackt hatte, blieb er den ganzen Tag so stehen wie er sich zu Beginn hingestellt hatte. Als es Abend wurde, machten sich seine Kinder Sorgen um ihn und gingen auf das Feld, um zu sehen, was geschehen war. Was sie sahen, verwunderte sie, aber noch mehr verwunderte und erschreckte sie, was sie spürten. Ihr Vater stand wie verwur-zelt auf dem Feld, die Arme leicht ausgebreitet und den gesamten Körper in sanfte Schwin-gungen versetzt, wie wenn er seine Atemübung machte. Als sie ihn berührten, um auf sich aufmerksam zu machen, fühlte er sich an wie ein Mensch aus Fleisch und Blut. Als sie aber Anstalten machten, ihn wegzubringen,​ griffen ihre Hände ins Leere. Sie spürten nur einen leichten, warmen Hauch, wo sie seinen Körper sahen. Sie baten ihn Mal um Mal, aufzuhören und nach Hause zu kommen, er aber zeigte keine Regung. \\
 +Auch am zweiten, dritten und vierten Tag bewegte Wei Wan sich nicht. Seine Söhne bestell-ten nun das Feld, vor ihren Augen immer der Vater in fast unmerklicher Bewegung, geschlos-senen Augen und dem ewigen verschmitzt-glücklichen Lächeln im Gesicht. Nach einem halben Jahr hatten sich sowohl Wei Wans Kinder als auch das gesamte Dorf da-ran gewöhnt, dass dieser – unverändert – auf dem Feld seiner Familie stand. Die kleinen Kin-der des Dorfes machten sich manchmal einen Spaß daraus, ihn mit Blumen zu schmücken – als aber eines mit einem Stein nach ihm warf, glitt er einfach durch Wei Wan hindurch. \\
 +Genau ein Jahr, nachdem Wei Wan auf dem Feld stehengeblieben war, fand die Hochzeit sei-ner ältesten Tochter mit einem jungen Mann aus dem Nachbardorf statt. Am Morgen nach der Feier, als Wei Wans Söhne pflichtbewusst ihrer Arbeit auf dem Felde nachgehen wollten, staunten sie beim Anblick ihres Vaters, der nicht mehr stand, sondern sich unter einen kleinen Strauch gelegt hatte und schlief. Vorsichtig näherten sie sich ihm. Wie erschrocken waren sie, als er sich plötzlich aufrichtete,​ sich die Augen rieb und ihnen fröhlich einen guten Morgen wünschte. Auf ihre Fragen, was denn mit ihm geschehen sei, ob es ihm gut gehe und was er das Jahr über erlebt habe, ging er nicht ein, sondern verlangte nach Pinsel und Papier. Nach einer Weile sahen seine Söhne ein, dass es keinen Sinn hatte, auf ihn einzudrängen,​ sondern brachten ihn zum Dorfschreiber. Natürlich erregten sie im Dorf viel Aufmerksamkeit,​ immer-hin ging dort auf einmal Wei Wan wieder durch ihren Ort. Wei Wan begegnete dieser aber nicht anders als mit seinem typischen Lächeln. Erst als er vor der ausgebreiteten Schriftrolle saß, das halbe Dorf um sich herum versammelt und die andere Hälfte im Begriff, sich auch dazuzugesellen,​ wurde sein Gesicht ernst. Er atmete tief ein, nahm den Pinsel in die Hand und begann zu schreiben. Langsam und sorgfältig schrieb er, den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch. Als die Sonne am Morgen aufging, atmete er noch einmal ein und dann ganz ge-wöhnlich wieder aus. Er lächelte wieder. „Das Qi floss durch mich und ich floss im Qi. Mir wurde große Ehre zuteil und mehr Weisheit als gut für einen einzelnen Menschen sein kann. Deshalb werde ich sie teilen. Hier, das sind die Wege, die das Qi geht.“ Mit diesen Worten zeigte er auf die Schriftrolle. Der erste, der sich die Schriftrolle ansah, war der Dorfschreiber. Doch nach einigem Lesen schüttelte er den Kopf gab sie zurück. „Ich verstehe das nicht!“ So ging die Schriftrolle durch die Hände derjenigen, die lesen konnten, aber alle seufzten sie, schüttelten den Kopf oder blickten Wei Wan misstrauisch an. \\
 +Nach einigen Wochen war wieder Ruhe eingekehrt im Dorf. Er arbeitete nun mit seinen Söh-nen auf dem Feld, die seltsame Schriftrolle lag in einer Ecke seiner Hütte. Die Zeit zog ins Land und die Seltsamkeit des Wei Wan wurde vergessen angesichts alltäglicher Aufgaben und Probleme. Und schließlich erinnerten sich die Menschen, dass ihr Ratgeber wieder unter ihnen weilte und begannen erneut, Rat bei ihm zu suchen. Doch, ach! Sobald er anfing zu sprechen, wurden wieder Köpfe geschüttelt – was gab der alte Mann auf einmal für Wunder-lichkeiten von sich! Niemand vermochte ihn zu verstehen. \\
 +Eines Tages jedoch, als wieder ein Ratsuchender Wei Wan aufsuchte, war zufällig seine jün-gere Tochter im Zimmer, die das Anliegen mitanhörte. Nachdem ihr Vater seine unverständli-che Rede beendet hatte, fing sie den verzweifelten Blick des Ratsuchenden auf und obwohl Türen und Fenster verschlossen waren, bewegte ein Hauch ihre Haare und ihr Gewand. Sie wandte sich dem unglücklichen Ratsuchenden zu begann zu erklären, was ihr Vater mit sei-nem rätselhaften Rat zu vermitteln versuchte. Das Gesicht des Besuchers erhellte sich und er ging dankbar davon. Nach und nach bewegte das Qi auch die anderen Kinder Wei Wans, so-dass sie ihren Vater verstehen konnten. Von da an war immer eine seiner beiden Töchter oder einer seiner beiden Söhne anwesend, wenn er Ratsuchende empfing. Über die Schriftrolle ihres Vaters jedoch gab es unter den Geschwistern Meinungsverschiedenheiten. Sie debattier-ten oft und lange darüber, was die richtige Auslegung sei, kamen aber zu keinem Ergebnis. Damit aber die Lehren ihres Vaters nicht in Vergessenheit gerieten, aber auch anwendbar werden sollten, verfasste Jede und Jeder von ihnen eine eigene Schriftrolle,​ die die ursprüng-liche Schrift nach ihrer eigenen Auffassung auslegte. \\
 +Bald kamen die Menschen des Dorfes und der umliegenden Dörfer gar nicht mehr zu Wei Wan selbst, sondern gleich zu seinen Kindern, um Rat einzuholen. Wei Wan war darüber nicht traurig, hatte er so doch viel Zeit, sich mit seinem ersten Enkelkind zu beschäftigen. Denn in der Nacht, in der er aus seiner Starre befreit wurde, war seine Enkelin gezeugt worden, das Kind seiner ältesten Tochter. Er lehrte sie Sprechen, aber auch Zuhören, Laufen, aber auch Ruhen. Und er lehrte sie auch Lesen und Schreiben – mithilfe seiner Schriftrolle und denen seiner Kinder. Das wunderlichste jedoch war, dass seine Enkelin die Schriftrolle Wei Wans am liebsten hatte und die darin enthaltenen Sätze fröhlich nachplapperte. Als sie älter wurde, wurde allerdings immer klarer, dass sie die Sätze nicht nur nachredete, sondern sie auch verstand. Diese Enkelin, Xiaoconming war ihr Name, war die erste Liudong. Ihre vier Geschwister begründeten die vier Richtungen des Pfades des Qi, wie wir sie heute kennen. \\
 +Aber die Schriften der Kinder Wei Wans gerieten ebenfalls nicht in Vergessenheit – sondern ganz im Gegenteil: Die Pfade, die auf ihnen gründeten, sind heute immer noch vorhanden. Der Pfad der Leere ist wohl der bekannteste,​ ist er doch derjenige, dem die meisten Krieger und Kämpfer Makrabars folgen. Die Pfade der Kinder Wei Wans sind die Pfade, die von den meisten Makrabari gegangen werden. Sie werden aber immer noch zum Pfad des Qi gezählt, denn die Kinder Wei Wans wurden auch vom Qi angerührt. Ihre Lehren sind nicht verfälscht noch sind sie weniger geistig. Sie lassen sich nur leichter in die Tat umsetzen.“ //
  
broken_crown/haeuser/makrabar/hausspieler/glaube_pfad_ursprung.txt · Zuletzt geändert: 2017/04/05 16:42 von weisser_rabe