28.06. bis 02.07.2017
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Aquillien

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Laute Straßen, Händler, Gefeilsche, Schmuck und Prunk soweit das Auge reicht, Kunst und Kultur hinter jeder Straßeneck. So oder so ähnlich dürfte der erste Eindruck sein, der sich einem Besucher Aquilliens bietet. Und in der Tat ist Aquillien das, was man die Geldbörse Ulshars nennen könnte. In den Straßen, Häfen und auf den Märkten der Städte dieses jüngsten Fürstentums Ulshars lässt sich alles finden, was das Herz begehrt und noch mehr.

Dabei war Aquillien nicht immer so. Erst vor recht kurzer Zeit, vorein paar Jahrzehnten, einten die Grafen von Aquillia ihr Land und zeigten so ganz Ulshar, was man mit eigener Hände Arbeit alles erreichen kann. Stolz sind sie, die Aquillianer, stolz auf die Früchte ihrer Arbeit. Und so gehört es in Aquillien zum guten Ton, zu zeigen was man hat und seine Zeit vollkommen auszukosten. Viel zu schnell kann dies alles zerrinnen, also nutze die Zeit, die du hast. Gesellschaftliche Höhepunkte sind daher die Maskenbälle, welche mehrmals jährlich stattfinden, und für die sich Bewohner Aquilliens selbst ohne mit der Wimper zu zucken in Schulden begeben, nur um dort mit einem atemberaubendem Gewand aufzutrumpfen.

Der Stolz der Aquillianer auf die Früchte ihrer Arbeit zeigt sich auch in der Regierungsform. Zwar wird Aquillien absolut von der Fürstin Isabella von Aquillia (beziehungsweise seit zwei Jahren in ihrem Namen von ihrem Bruder, Prinzregent Ramirez von Aquillien) regiert, einem Titel, den sie an einen selbsternannten Erben innerhalb ihrer Familie weitergeben kann, ihr zur Seite stehen allerdings die sieben Mitglieder des „Kleinen Rates“, welche sich aus den wohlhabendsten Mitgliedern des Adels und der Mittelschicht zusammensetzen und über die Geschicke Aquilliens entscheiden. Darunter gibt es eine schier unermessliche Anzahl an Titeln und Aufgaben, die es zu übernehmen gilt, was die verschiedensten wohlhabenden Familien auch nur zu gerne tun. Solange man in Aquillien nur genug Geld hat, kann man hier fast alles erreichen. Der finanzielle Erfolg, oder zumindest der Schein diesen Erfolgs ist das, was in Aquillien das Maß aller Dinge ist, denn er ist Ausdruck das Seins und bestimmt, wie du von anderen wahrgenommen wirst.

Mit dieser Einstellung und erstaunlichem Handelsgeschick hat es Aquillien geschafft, in kürzester Zeit und ohne nennenswerte Eigenproduktion ein hohes Ansehen in Ulshar zu erreichen und immense Geldsummen anzuhäufen. Nicht wenige Bewohner Ulshars schauen neidisch auf den Prunk und Protz Aquilliens und bezeichnen seine Einwohner hinter vorgehaltener Hand als hochnäsig, verschwenderisch und genusssüchtig, abgewandt von den wirklich wichtigen Dingen.

Doch verbirgt sich hinter diesem Schein vielleicht eine dreckige Wahrheit? Versteckt sich hinter dem goldenen Lächeln der Fürstin nicht vielleicht die Gier nach der Krone? Eine Gier, die mit den fast unbegrenzten Mitteln Aquilliens in fast schon greifbare Nähe rückt? Finde es heraus, auf dem Broken Crown!

Ressourcen:

Karte Aquillien

(Text vorlesen lassen mp3/ ogg)

Aus den gesammelten Reisetagebüchern des Uberto Soranzo, reisender Händler und Erbe des Soranzo Vermögens, Aquilia:

Ich bin froh, endlich wieder Fuß in meine Heimatstadt zu setzen und meine Kogge löschen zu lassen. Doch wie auf so vielen meiner Reisen geht es nicht um den Aufenthalt an einem Ort, der mein Herz bewegte, sondern viel mehr um den Weg, der mich an mein Ziel führte:

Die Heimreise nach Aquilia begann für mich nicht unweit der Quelle des Flusses, der meiner teuren Heimat ihr prachtvolles Wappen schenkte, denn keine 3 Tagesreisen flussabwärts wurde meine teure Giulia von kräftigen Männern aller Fürstentümer für günstiges Geld beladen: Köstlichste Kräuter aus Makrabar, die nur darauf warteten, von den feinen Herren und Damen Aquiliens mit kochendem Wasser und feinem Rohrzucker übergossen zu werden. Doch, liebes Tagebuch, ich schweife ab, denn der eigentliche Grund für meine Aufzeichnungen über diese doch kurze, aber einprägsame Reise zu Wasser ist das Schicksal einer jungen Frau, welche auf meiner Kogge mitzunehmen mein kurzweiliges Vergnügen sein sollte. Und beim Blau des Himmels und dem Funkeln der Sterne, sie war schön. Die Worte eines Händlers reichen nicht die wallenden, schwarzen Locken und die unergründliche Tiefe ihrer blauen Augen zu erfassen!

Ihr Ziel war, ebenso wie das meine, das funkelnde Juwel Lethes, die glorreiche Hauptstadt Aquiliens: Aquilia. Einem Wesen von solcher Schönheit konnte selbst meine sonst standhafte Gesinnung nicht abschlagen, die Reise zu Wasser den holperigen Straßen zu Lande zumuten zu können.

Unsere Reise sollte eine knappe Woche dauern, eingerechnet das Anlegen an einigen der zahlreichen Handelskontoren am Flussufer. Je näher wir der Hauptstadt kamen, umso besser wurde das Brot und schon nach dem zweiten Tag brachte unser Kombüsenmeister von seinem kurzen Landgang köstlichstes Gebäck und andere feine Backwaren mit an Bord. Mein Kapitän hatte in weiser Voraussicht nur wenig Proviant genehmigt, da auch er sich auf die kulinarischen Genüsse freute, deren Duft, je näher man Aquilia kam, die Luft jedes Marktes durchwogten.

Doch auch das Land und die Menschen mit ihm wurden gefühlt mit jeder Meile farbenfroher, bunter und herrlicher: Nirgends auf Lethe kenne ich Gewänder und Kleider von solcher Herrschaftlichkeit und Schönheit, wie in meiner goldenen Heimat: Wir waren keine 4 Tage von der Stadt entfernt, da sah ich am Gürtel einer jungen Poetin bestimmt ein Dutzend Rosen aus Seidenstoff, die ihren natürlichen Vettern in nichts nachstanden, nein, ich wage sogar zu behaupten, dass der betörende Duft von Parfüm von diesen, ihren Seidenrosen ausging. Welch Rafinesse! So kenne ich mein Aquilien!

Die Schönheit, die mit mir reiste, trug zu Beginn unserer Fahrt ein Kleid, dass ihr wohl auf den Körper geschneidert worden war, doch schon bei unserem ersten Halt hatte sie sich davon getrennt, um sich der Mode der Hauptstadt anzupassen. Ihr neues Kleid, ungelogen, ließ sie auf mich wirken wie die Prinzessin eines fernen Landes und als sie zurück an Bord kam, schämte ich mich fast für die funktionale Schlichtheit meiner Guilia.

Dieses Schauspiel, und glaube mir liebes Tagebuch, ich lüge nicht, wiederholte sich noch zwei Mal an zwei weiteren Flusskontoren. Auf mich wollte sie nicht hören, als ich sie beschwor, sie könnte sich doch am Ende unserer Reise einkleiden, ganz nach der aktuellen Mode der goldenen Stadt. Nein, und da war sie von bemerkenswerter Engstirnigkeit, denn in Aquilia von Bord zu gehen ohne alle Blicke auf sich zu ziehen, wäre für sie von unvorstellbarer Schmach. Dass der erste Eindruck im Fürstentum Isabellas zu besonderer Gewichtung gelangt ist, lässt sich auch nur schwerlich leugnen.

Schließlich legten wir am Kontor meiner Familie an und die gute Frau verlor ich aus den Augen, sowie sie das rege Treiben der Gassen, Brücken und Wasserstraßen verschlungen hatte. Aber das Schicksal führt Menschen immer zweimal zueinander: lass es zwei Wochen später sein, da sah ich sie wieder, schön wie in meiner Erinnerung, jedoch auf der Straße sitzend, die Hände zu einer Schale geformt. Noch immer trug sie das Kleid aus dem letzten Hafen vor Aquilia. Nicht, dass es ihr nicht stand, sie muss wohl für jeden Ausländer ausgesehen haben, wie eine davongelaufene Prinzessin! Doch hier, in der goldenen Stadt, war sie mit ihren Stickereien, ihren Seidenblumen und ihrer blauen Stola einfach nur jemand, der die Mode des letzten Winters trug und sich damit vor allen Leuten lächerlich machte.

Keine einzige Münze hielt die Gute in ihren Händen und so, und das bleibt bitte unter uns, liebes Tagebuch, trat ich an sie heran und legte ihr vier Kupferlinge in ihre weiß behandschuhten Hände. An ihrem Blick erkannte ich schnell, dass sie sich nicht an mich erinnern konnte oder wollte, so wünschte ich ihr noch einen guten Tag und wollte meines Weges gehen, als mich etwas hart in Rücken und Nacken traf. Hinter mir fielen die Münzen klimpernd zu Boden.

Ich musste gar nicht fragen, was passiert war. Mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen ließ ich sie in der Gosse zurück. Aus Almosen von Kupfer wird nie ein neues Kleid. Die Erfüllung des Traumes der Bettelprinzessin von Aquilia kostet Gold und Silber.

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